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Sport mit Stöcken

Moderne Stöcke sind auf Inline-Skater, Walker oder auch Langläufer abgestimmt. Mit einem kleinen Trick werden Walking-Stöcke sogar die besten Schneeschuhstöcke.

Ein Stockkompendium

Langläufer, Nordic Walker, Schneeschuhläufer, Bergsteiger - alle machen es mit Stock. Mit dem Stock veränderten sich unsere Sportarten, Stockgeschichte ist Kulturgeschichte .Der Stock war das erste Hilfsmittel, mit dem der Mensch seine Mobilität steigerte. Der Steinzeitjäger bewegte sich dank Stock durch unwegsames Gelände, in dem er ohne Stock das Gleichgewicht verloren hätte und konnte dank dem Stock mehr Fleisch auf seinem Rücken mittragen. Im hohen Norden schoben sich Lappen vor Jahrtausenden mit Stock und Gleitbrettern über den Schnee. In der Neuzeit ist die Geschichte des Stockes eng mit der Geschichte des Sports verknüpft. Der Skisport gilt als erste moderne Sportart. Die Qualitäten von Ski und Stock und damit ihre Einsatzmöglichkeiten sind eng mit den technologischen Fähigkeiten der jeweiligen Zeit verbunden. Noch vorletztes Jahrhundert reichte ein einzelner Stock als Brems- und Schubwerkzeug. Die Ski wurden schneller, aus einem Stock wurden zwei, mit denen man auch bei hohen Geschwindigkeiten das Gleichgewicht halten konnte. Heute wird in einen Stock viel Technologie gesteckt, bis 500 Franken können die wenigen hundert Gramm Kunststoff kosten - damit man sich noch etwas angenehmer Kilos abstrampeln oder Kondition antrainieren kann. Ein Luxus, von dem der Steinzeitjäger sicher nie träumte, wenn er auf der Jagd nach Nahrung den Stock als reines Hilfsmittel einsetzte.

Lange war der Stock ein steifes Bambusrohr, das bei einem ungeschickten Sturz zersplittern konnte. Die Langläufer gaben sich damit nicht zufrieden, Alustöcke kamen auf den Markt, später Modelle aus Kohlefaser. So richtigen Schwung ins Stockgeschäft bringen jetzt die Walker. In Deutschland hat der Stockabsatz für Nordic-Walker die anderen Disziplinen bereits überflügelt, in der Schweiz kann sich der Langlaufstock noch knapp auf Platz eins halten. «Aber auch das wird sich in Kürze ändern», prophezeit Hans Zihlmann, Verkaufsleiter für die Exel-Stöcke beim Agenten Chris Sport Systems.

Langläufer auf Asphalt

Prinzipiell sind die Anforderungen an die Stöcke sowohl von Langläufern wie Walkern oder Inline-Skatern dieselben. Ein Stock muss leicht und stabil sein, einen ergonomischen Griff mit gutem Halt haben. Tatsächlich kann man für ein paar Sportarten den selben Stock benutzen. Die ersten, die ihre Stöcke auch für andere Disziplinen einsetzten, waren die Langläufer. Sie rannten mit Stöcken durch die grüne Landschaft. Skigang nennen die Wintersportler die Imitation des Diagonalschrittes am Berg - ohne Ski, aber mit Langlaufstöcken. Eine weitere Alternative zum Wintertraining der Langläufer sind die Rollski. Die brachten dem Stock die erste Mutation. Oft brachen den Rollskiläufern die Stockspitzen ab. Falls sie einen Sommer lang durchhielten, waren sie am Ende so stumpf, dass sie auf dem Teer keinen Halt mehr fanden. Also entwickelten die Stockhersteller eine speziell gehärtete Rollskispitze.

Mit dem Boom der Inline-Skates kamen einige Langläufer auf die Idee, im Sommer ebenfalls in die Inline-Skates zu schlüpfen. Sie nahmen ihre Langlaufstöcke mit der Rollskispitze und powerten so über den Asphalt. Die Nur Skater taten es den Langläufern gleich. Nordic Blader nannten sie sich, die Industrie sprang auf den skatenden Zug auf und konstruierte Nordic-Blading-Stöcke. Weil Inline-Skater nur auf der Straße unterwegs sind, wurde aus der reinen Stahlspitze eine Kombination mit einem Gummipuffer. Bevor die Metallspitze hart auf den Asphalt aufsetzt, berührt der Gummi sanft den Boden. Erst beim Abstoß wird die Kraft direkt über den Stahlsporn geleitet. Nach wie vor aber kann man mit einem konventionellen Langlaufstock auch in die Inline Skates steigen. Die modernen Langlaufstockspitzen sind stabiler und halten auch der Belastung beim Nordic Blading stand. Freudiger Zufall: Nordic Blader und Langläufer können dieselbe Stocklänge nehmen - sprich den selben Stock verwenden. Auf den Skates steht man zwar etwas höher, doch versinkt die Stockspitze nicht im Schnee.

Nordic Walking: Programmierter Trend

Die Geschichte des Nordic Walking ist nicht evolutionär wie die des Nordic Blading. Nordic Walking entwickelte sich weder aus dem Langlauf noch aus dem Nordic Blading, sondern ist ein Erfindung der Industrie. Der finnische Stockhersteller Exel suchte nach neuer Kundschaft. Langlauf war immer weniger gefragt, die Kombination aus Gehen und gleichzeitiger Armarbeit schien den Exel-Startegen eine zukunftsträchtige Fitness-Sportart zu sein. Und siehe da, Zehntausende ließen sich überzeugen.

Der Walking Stock unterscheidet sich ebenfalls nicht prinzipiell vom Langlaufstock. Aber er ist kürzer, denn die Kadenz der Armarbeit ist höher als beim Langlaufen oder Nordic Blading, wo ein Schritt mehrere Meter lang ist. Nordic Walking mit Langlaufstöcken wäre so praktikabel wie Skiballett mit Abfahrtsski. Nicht selten trifft man auf Waldwegen Nordic Walker mit Skioder Wanderstöcken. Auch das ist keine gute Idee. «Mit solchen Stöcken kann man die Technik des Nordic Walking gar nicht umsetzen», warnt Walking-Ausbilder Urs Gerig. Beim Nordic Walking bleibt der Stock immer hinter dem Körper, damit man sich vorwärts stossen kann. Gibt man auf einen Wanderstock ordentlich Druck, biegt er sich durch. Sobald man mit dem Stock gegen hinten schieben will, rutscht er auf hartem Untergrund weg. Und wenn man ihn im letzten Teil der Stossbewegung loslassen muss, schmiert er weg, weil er keine entsprechend stabilisierende Schlaufe hat. Ganz zu schweigen vom wichtigsten Kriterium, einem schönen Auspendeln beim nach vorne Ziehen. So richtig schön zurück schwingen kann nur ein leichter Stock mit einer entsprechenden Handschlaufe Also Hände weg vom Skistock beim Nordic Walking. Wer käme denn auf die Idee, mit Skistöcken in die Loipe zu steigen. Um- gekehrt funktioniert es allerdings. Wer seinen Nordic-Walking-Stock etwas umbaut, kann ihn anstelle eines Skistockes benutzen Nicht zum Skifahren, sondern zum Schneeschuhlaufen. «Das ist ein perfektes Einsatz- gebiet für einen Nordic-Walking-Stock. Statt nur zu stabilisieren kann man stoßen, den Stock loslassen und nach vorne pendeln lassen», schwärmt Gerig. «Ich habe mit Wander-Teleskopstöcken schon schlechte Erfahrungen gemacht. Als ich mich bei einem langen Schritt über eine Schneemauer hinunter abstützte, sackte der Teleskopstock in sich zusammen. » Wer sportlich Schneeschuhlaufen geht, wird mit dem leichten Walking-Stock glücklicher. Einzig die Spitze muss man gegen einen Teller eintauschen, der nicht im Schnee versinkt. Dann wird sogar Schneeschuhwandern zur dynamischen Sportart. Und wieder hat der Stock eine Sportart schneller gemacht.

Alu oder Karbon?

Eigentlich ist der Aluminium-Stock ein Relikt. Ein Überbleibsel aus der Zelt, als Karbon und Fiberglas noch nicht so bruchfest respektive in ansprechender Qualität viel zu teuer waren, als dass man sie für den Stockbau hätte verwenden konnte. Ein Aluminiumstock ist schwerer und weniger flexibel als ein Karbonstock. Karbonstöcke können die Vibrationen dämpfen und leiten die Schläge nur noch schwach weiter. Beim Nordic Walking und Blading können die Schläge beim Aufsetzen auf den Asphalt nicht nur unangenehm und Kräfte raubend, sondern im schlimmsten Falle sogar ungesund sein. Wer es übertreibt, kann sich einen Tennisarm oder eine Sehnenscheidenentzündung einfangen. Darum bauen einige Hersteller Dämpfungselemente in die Alustöcke. Die sind zwar komfortabel, wirken sich aber negativ auf die Kraftübertragung aus. Alustöcke sind eine günstige Alternative für Einsteiger, die etwas Nordic-Luft schnuppern, aber nicht viel Geld ausgeben wollen.

Fixlänge oder Teleskopstock?

Teleskopstöcke sind zwei- oder dreiteilige Stöcke, die man über einen oder zwei Drehverschlüsse in der Länge verstellen kann. Wer viel auf Reisen ist, kann Teleskopstöcke einfacher transportieren. Wer mit Schneeschuhen und dem Board auf dem Rücken auf Touren geht und mit möglichst leichtem Material unterwegs sein will, läuft mit Nordic Walking-Teleskopstöcken mit entsprechendem Teller am leichtesten und kann sie auf dem Gipfel an den Rucksack schnallen.

Für alle anderen Stocknutzer machen Teleskopstöcke keinen Sinn, denn Stöcke mit fixer Länge sind leichter, steifer und pendeln besser. Und man spart sich den kleinen Service, den ein Teleskopstock nach längerem Gebrauch nötig hat, damit der Klemmmechanismus weiterhin zuverlässig funktioniert.

Kork- oder Kunststoffgriff?

Kork lässt sich nicht in jede beliebige Form bringen. Darum hat bei den ergonomisch geformten Griffen Kunststoff den Kork verdrängt. Einige Hersteller kombinieren allerdings Kork und Kunststoff. Denn das Naturmaterial ist noch immer unübertroffen in seinem Griffkomfort, es bleibt immer schön warm und trocken, ist allerdings nicht so dauerhaft wie Kunststoff.

Grundsätzliche Anforderungen: Die Verschleißteile Griff, Schlaufe und Spitze sollten austauschbar sein. Der Schaft hält ein Leben lang.

Je leichter ein Stock ist, umso steifer ist er auch, da der Anteil an Karbonfasern höher ist. Wer also einen möglichst effizienten Stock sucht, ist mit den leichten, aber auch teuren Modellen besser beraten. Die Schlaufe soll soweit verstellbar sein, dass man mit allen Handschuhen, die man in der Regel für die entsprechenden Aktivitäten benutzt, genügend Platz hat. Maßgebend für ein angenehmes Pendeln (Retourbewegung des frei geführten Stockes) ist die Gewichtsverteilung. Vergleichen Sie verschiedene Modelle bei einem kurzen Testlaufen. Die Schlaufe sollte im Zentrum des Schaftrohres befestigt sein, damit die Kraft auf direktem Weg durch die Mittelachse des Stockes zur Spitze geleitet wird. Zieht man an der Schlaufe und der Stock biegt sich, ist das ein Anzeichen, dass die Schlaufe außen am Schaft befestigt ist.

Der Langlaufstock

Die Mutter aller Stöcke. Der Langlaufstock hat eine bewegte Vergangenheit. Aus dem Bambusstock wurde der Alustock, heute sind fast alle Langlaufstöcke aus Karbon. Auch was die Länge angeht, machte der Stock einen Wandel mit. Noch vor zehn Jahren reichte der Skating-Stock bis zu den Ohren, heute läuft man ihn kürzer. Einen gewaltigen Wandel machten auch Schlaufe und Griff mit. Aus dem Korkgriff wurde meist ein geschmeidiger Kunststoffgriff. Einige Hersteller experimentieren mit neuen Griffformen, bauen Flügelchen, über die man mit dem Daumen stoßen kann (Toko) oder winkeln den ganzen Griff gegen vorne ab. Karhu verspricht sich davon eine verlängerte Stoßphase. Aus der einfachen Schlaufe wurde ein ganzes Gurtsystem, aus dem die Hand nicht mehr hinausrutschen kann, über das man die Kraft optimal in den Stock bringt, das den Stock beim Auspendeln exakt führt.

Die richtige Länge:
Skating-Stöcke Körpergrösse minus 20 Zentimeter
Klassikstöcke Körpergrösse minus 30 Zentimeter

Der Nordic-Blading-Stock

Der Stock für Inline-Skater unterscheidet sich in der Länge und der Konstruktion der Spitze vom Walking-Stock. Die Länge entspricht derjenigen des Skatingstockes der Langläufer, wird im Zweifelsfalle etwas länger gewählt. Die Spitze ist eine Kombination aus Gummikopf und Stahlspitze. Zuerst setzt der Gummi auf den harten Asphalt auf. Er dämpft den Schlag ab und verhindert so, dass der Stock in unangenehme Schwingungen versetzt wird. Für die Abstoßphase greift die gehärtete Stahlspitze. Die Spitze kann man einzeln kaufen, so im Sommer aus einem Langlaufstock einen Inline-Skating-Stock machen. Alternativ dazu kann man auch eine Rollskispitze kaufen, die aus speziell hartem Stahl gefertigt ist, aber keinen Gummikopf hat. Oder man nimmt den Langlaufstock ohne ihn groß umzubauen. Das funktioniert auch, allerdings ohne den Komfort des Gummipuffers. Heikel wird es bei älteren Langlaufstock-Modellen. Die Fassung der Spitze ist nicht so stabil ausgelegt, dass sie den harten Schlägen lange Stand halten kann und kann ausbrechen.

Die richtige Länge: Körpergröße minus 20 Zentimeter.

Der Walking-Stock

Der Walking-Stock ist deutlich kürzer als Langlauf- und Nordic-Blading-Stöcke. Das ist aber nicht der einzige Unterschied. Die Spitze ist ein «entweder-oder». Die Stahlspitze greift im Gelände (Stock links, Teleskopmodell), auf Asphalt aber schiebt man einen Gummikopf darüber (Stock rechts). Der dämpft die Schläge und verhindert das lästige Klack-Geräusch auf dem Teer. Griff und Schlaufe sind ebenfalls etwas anders gestaltet als bei den Langlaufmodellen. Im Sommer läuft man barhand, im Winter mit Handschuhen. Darum muss der Versteilbereich der Schlaufe größer sein und der Griff aus einem Material, das auch ohne Handschuhe angenehm zu greifen ist. Kork ist eine Alternative zum Kunststoff. Clever ist die Idee von Leki, die Handschlaufe über einen Schnellverschluss mit dem Stock zu verbinden. So kann man sich die Nase schneuzen oder etwas trinken, ohne sich dabei den Stock um die Ohren oder an die Nase zu schlagen. Exel geht bei seinen neusten Modellen bezüglich Ergonomie einen neuen Weg. Der Griff ist nicht nur gegen vorne, sondern auch gegen innen abgewinkelt und soll so noch besser in der Hand liegen.

Die richtige Länge: Körpergröße x 0,7 (beim Stockeinsatz soll der Ellbogenwinkel rechtwinklig sein), dynamische Läufer können den Stock etwas länger wählen, wer es gemütlicher mag, nimmt ihn eher kürzer.

Der Schneeschuhstock

Eigentlich hat ein Stock, wie ihn Schneeschuhläufer gebrauchen, wenig zu tun mit den anderen hier behandelten Stock-Kategorien. Er ist stabiler, eigentlich immer ein Teleskopstock, damit man ihn auch an den Rucksack schnallen kann, wenn man mit dem Snowboard talwärts fährt. Doch kann man auch einen Walking-Stock nehmen und mit einem TelemarkTeller ausrüsten. So versinkt der Stock nicht im Schnee. Der so umgebaute Walking-Stock ist leichter, man läuft dynamischer und kann statt sich nur abzustützen dank Griff und Schlaufe nach hinten abstoßen und auspendeln.

Die richtige Länge: Körpergröße x 0,7 (beim Stockeinsatz soll der Ellbogenwinkel rechtwinklig sein), dynamische Läufer können den Stock etwas länger wählen, wer es gemütlicher mag, nimmt ihn eher kürzer.

Quelle:

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Bild 1, 2, 6: © Alexander Rochau - Fotolia.com
Bild 3: © Patricia Strunk - Fotolia.com
Bild 4, 5, 7: Fit for Life

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