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Gesundheitserziehung in die Grundschulen!

Ohne Eigenverantwortung gehts nicht

Eigentlich sind alle so genannten Volkskrankheiten hausgemacht: Sie hängen mit unserer Art zu leben zusammen - dem Tempo, der mangelnden Bewegung, dem Überfluß, dem Streß, der Umwelt. Die Medizin kann viele Symptome beheben, ihre Art zu leben müssen jedoch die Betroffenen selbst ändern.

Ich weiß, daß das schwer ist. Einige Kollegen haben es frustriert aufgegeben, mit ihren Patienten darüber zu sprechen. Aber genau dies gehört doch zu den Kernaufgaben des Arztes, im partnerschaftlichen Gespräch seinen Patientinnen und Patienten immer wieder zu verdeutlichen: Es gibt keine „Pille Gesundheit", die man so einfach schlucken kann, sondern Gesundheit ist eben ein lebenslanger aktiver Prozeß der Eigeninitiative. Gesunde Ernährung, Bewegung, Lebensfreude - das sind meiner Überzeugung nach ganz wichtige Elemente für ein gesundes Leben.

Wer die Menschen für eine eigenverantwortliche Gesundheitsgestaltung gewinnen möchte, sollte bei den Kindern anfangen. Deshalb halte ich ein Fach „Gesundheitserziehung" für dringend notwendig, schon in der Grundschule. Deutsche Schulkinder bewegen sich ja leider nur noch eine einzige Stunde täglich, und davon entfällt nur ein Viertel bis die Hälfte auf Sport.

Gerade einmal l5 Minuten täglich, so Forscher der Universität Frankfurt, bewegen sich Kinder heute so intensiv, daß sie aus der Puste geraten. Die Unbeweglichkeit der Kinder hat nicht nur Folgen für Muskeln und Skelett oder führt zu Adipositas, Arterioskerose oder Diabetes mellitus. Das mangelnde Training für den Körper wirkt sich auch negativ auf die Entwicklung des Gehirns aus, denn gerade in der Grundschulzeit müßten sich eigentlich durch das Erlernen von Bewegungen wesentliche sensorische Fähigkeiten ausbilden. Dazu braucht das Gehirn aber z.B. das Feedback derjenigen Muskeln, die für die Feinkoordination des Körpers zuständig sind. Immer weniger Kinder sind jedoch noch imstande, über einen Balken zu balancieren, auf einem Bein längere Zeit das Gleichgewicht zu halten oder rückwärts im Kreis zu gehen. In den Schulen spielt der Sportunterricht trotz massiver Kritik vieler Sportpädagogen und Arzte eine immer geringere Rolle.

Was ich immer wieder an der aktuellen Gesundheitspolitik kritisiert habe: Arzte dürfen nicht zu Funktionsmedizinern degradiert werden, sondern müssen mitfühlender Partner sein. Und deshalb auch über den Tellerrand sehen und sich in gesellschaftliche Prozesse immer wieder einbringen, z.B. auch den Gesundheitsunterricht an Schulen fordern und mitmachen.

Wir Arzte zählen ja leider zu denjenigen, die immer wieder Raubbau mit ihrer eigenen Gesundheit treiben. Wir sind also nicht immer gute Vorbilder. Darüber hinaus ließe sich auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen uns Ärzten oftmals optimieren, das würde das Vertrauen bei Patienten, so glaube ich, stärken. Vielleicht gelingt uns dies in einer gemeinsamen Kampagne für bessere Sportbedingungen für unsere Schulkinder?

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (Deutscher Sportärztebund).

Professor Dr. med. Dietrich Grönemeyer, Institut für MikroTherapie, Bochum

Bildquelle(n):
Bild 1: Jürgen Ruoff, Badische Zeitung
Bild 2: Meinrad Schön

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