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Gewinn durch jede Bewegung

Der Stoffwechsel von Typ-2-Diabetikern wird durch körperliche Aktivität und gesunde Kost besser. Häufig kann schon allein durch Bewegung auf Insulin oder Tabletten verzichtet werden. Die Kunst ist, Patienten zu motivieren sich mehr zu bewegen.

In Deutschland steigt die Zahl der Typ-2-Diabetiker („Zuckerkranke") rapide - davon betroffen sind vor allem übergewichtige Menschen.

Es ist inzwischen gut belegt, dass sich durch Gewichtsreduktion mit Bewegungsprogrammen und gesunder Ernährung bei hohem Diabetesrisiko der Erkrankung vorbeugen lässt. Zudem können Patienten mit Diabetes durch Bewegung und gesunde Ernährung den Stoffwechsel deutlich verbessern und den Fortschritt der Erkrankung verlangsamen. Eine ursächliche Therapie gegen die Stoffwechselkrankheit ist Bewegung! Die Blutzucker- und Cholesterinprofile werden verbessert, HbA1c- und Blutdruck-Werte verringert (HbA1c-Zielwerte: Einmal pro Quartal sollte man bei jedem Diabetiker der HbA1c-Wert bestimmen - er sollte weniger als sieben Prozent sein). Privatdozent Stephan Jacob, Ärztlicher Direktor der Albert-Schweitzer-Klinik in Königsfeld im Schwarzwald sagt: „Die Wirkung von körperlicher Bewegung auf die Blutzuckerwerte ist so enorm, dass man häufig sogar auf Tabletten oder Insulin verzichten kann."

Durch Bewegung wird langfristig der Muskelaufbau gefördert und für eine gute Durchblutung gesorgt. Überschüssiger Blutzucker und Insulin werden abgebaut. Die Blutzucker-Aufnahme werde allein schon durch das Zusammenziehen und Aktivieren der Muskeln gefördert, so Jacob. Auch wird durch regelmäßige Bewegung die Empfindlichkeit der Körperzellen auf das körpereigene Insulin erhöht.

Die Wirksamkeit von körperlichem Training gegen Diabetes wurde mit vielen Untersuchungen belegt. Übergewichtige Patienten mit gestörtem Zuckerstoffwechsel absolvierten zum Beispiel ein Programm aus gesunder Ernährung und Bewegung. Das bedeutete konkret: Mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche, insgesamt mindestens fünf Prozent des Körpergewichts zu verlieren und eine Umstellung auf fettarme, ballaststoffreiche Ernährung. Das Resultat: In dieser Gruppe war innerhalb von vier Jahren das Auftreten von Typ-2-Diabetes um 58 Prozent kleiner als in der Kontrollgruppe.

Auch auf die bei Diabetikern häufigen Gefäßschäden (Arterienverkalkung, Herzinfarkt, Durchblutungsstörungen) wirkt sich regelmäßige Bewegung sehr günstig aus, so Jacob.

Für die Schulung sind Bewegungsprogramme wichtig

Die Initiativgruppe Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) setzt sich wegen der guten Wirksamkeits-Belege dafür ein, dass Bewegungsprogramme in jede Diabetesschulung aufgenommen werden sollen. Sport ist allerdings wegen Begleiterkrankungen wie Hüft- oder Kniearthrose oft nur eingeschränkt möglich. Die vielmals älteren und übergewichtigen Menschen sind zudem für ein regelmäßiges Training oft nur schwer zu motivieren. „Es ist kaum vorstellbar, welche schlimmen Erlebnisse viele Übergewichtige mit Sport verbinden" so Jacob: „Ihnen wurde ja in der Schule schon gesagt, sie sind unsportlich, und sie mussten böse Hänseleien ertragen." Es sei daher häufig erfolgversprechender, den Patienten anstelle von Sport möglichst viel Bewegung im Alltag zu empfehlen: Zum Beispiel regelmäßige Abendspaziergänge oder Treppensteigen statt Fahrstuhl fahren. Am besten die Patienten denken sich eine Gewohnheit aus, zum Beispiel täglich vor dem Fernseher im Wohnzimmer Ergometer zu fahren. „Selbst wenn sie das im Leerlauf machen, ist es immer noch besser, als im Sessel zu sitzen", so Jacob.

Wenn sich Patienten zu regelmäßigem körperlichem Training motivieren lassen, dann ist Ausdauersport wie Radfahren, Laufen, Wandern, Skilanglauf oder Schwimmen geeignet. Es werden drei- bis fünfmal die Woche 20 bis 60 Minuten empfohlen, das in einer Intensität dass man sich noch unterhalten kann.

Patienten sollten, falls vorhanden, an Diabetiker-Sportgruppen vermittelt werden. „Es macht ihnen häufig viel Spaß, sich mit anderen Betroffenen auf niedriger Stufe zu bewegen." Das Programm DiSko (wie Diabetiker zu Sport kommen) der DDG ist hierbei hilfreich. Im Internet (www.diabetes-sport.de, unter Informationen) gibt es eine Liste von Diabetes-Sportgruppen und DiSko-Übungsleitern in vielen deutschen Regionen.

„Sport bei Diabetikern muss dosiert werden und unter ärztlicher Beratung erfolgen", so Jacob. Es ist wichtig abzuklären, ob die Patienten schon Folgekrankheiten haben, zum Beispiel an Durchblutungsstörungen der Augen oder der Herzkranzgefäße leiden. Wie Medikamente (Tabletten, Insulin) und Ernährung an Tagen körperlicher Aktivität angepasst werden, muss zudem mit dem behandelnden Arzt klar besprochen werden.  

Bildquelle(n):
Bild 1: © Philipp Flury / PIXELIO

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