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11:0 für Ihre Gesundheit

Sportärztliche Empfehlungen (neues Fenster von dgsp.de) zur Beeinflussung von Risikofaktoren - Förderung von Schutzfaktoren durch körperliche Aktivität und Sport.

Vor- und mögliche Nachteile regelmäßigen Trainings

Sport ist gesund. Laufsport ganz speziell. Jedenfalls für alle, die ihn massvoll betreiben. Wer sich hingegen zu viel zumutet, riskiert negative gesundheitliche Folgen. Doch welches ist das richtige Mass?

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Körperliche Aktivität beugt Krankheiten vor

Bei einer Reihe chronischer Erkrankungen und im Alter hat Sport und Bewegung positive Auswirkungen.

Während Risikofaktoren wie hoher Blutdruck, Diabetes mellitus, Rauchen und Fettstoffwechselstörungen große Aufmerksamkeit geschenkt wird und diese meist durch Medikamente behandelt werden, wird die körperliche Inaktivität als Risikofaktor unterschätzt. Seit den 90er Jahren ist Bewegungsmangel u.a. durch die Weltgesundheitsorganisation als Risikofaktor anerkannt. Nach aktuellen Studien steht die körperliche Aktivität im Behandlungskonzept gleichberechtigt - und dabei preiswerter - neben einer medikamentösen Therapie.

Bei allen Erkrankungen von Herz und Lunge, bei Hochdruck oder Diabetes mellitus, bei Osteoporose und Tumorleiden, aber auch bei Depressionen sollte regelmäßige körperliche Aktivität „verschrieben" werden, denn Inaktivität und Bewegungsmangel sind krankmachende Faktoren. Aber: Wer Patienten mit diesen Krankheiten betreuen will, muss sich zuvor spezielle Kenntnisse hierfür aneignen.

Unter körperlicher Aktivität versteht man jede Aktivität, die eine Steigerung des Energieumsatzes zur Folge hat. Körperliche Aktivität wird dann zu Übung, Training und Sport, wenn sie geplant, strukturiert, wiederholt und zielgerichtet ist.

Fitness wird von vielen nur mit Leistungssport in Verbindung gebracht. Aus ärztlicher Sicht aber ist Fitness der Zustand einer in psychischer und physischer Hinsicht guten Leistungsbereitschaft für eine spezifische Aufgabe. Fitness umfasst körperliche Funktionen wie Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer, aber auch geistige Aktivitäten und psychische Bereitschaft und Einstellungen. Fitness ist somit Teil der Gesundheit.

Regelmäßige körperliche Aktivität führt zu einer Vielzahl von Anpassungserscheinungen. Körperliche Aktivität bewirkt zunächst Änderungen und Anpassungen in der arbeitenden Muskulatur. Der Zellstoffwechsel wird effektiver, indem der Sauerstoffverbrauch für eine gleiche Leistung abnimmt.

In zweiter Linie beobachtet man Anpassungserscheinungen an Herz und Kreislauf. Unter anderem nehmen bei gleicher Leistung der Sauerstoffverbrauch in der arbeitenden Muskulatur und die Herzfrequenz ab.  Die Lungenfunktion wird verbessert. So sinkt z.B. die Atemarbeit für die gleiche Leistung.

Körperliche Aktivität beeinflusst auch andere Risikofaktoren, es wird z.B. der Fettstoffwechsel verbessert. Cholesterin und LDL-Cholesterin nehmen ab, während HDL-Cholesterin zunimmt.  Der Zuckerstoffwechsel wird günstig beeinflusst, die Insulinresistenz sinkt, das Körpergewicht kann leichter reduziert werden.

Die Fließeigenschaften des Blutes werden verbessert.  Positive  Veränderungen der Abwehrkraft werden in der Folge eines regelmäßigen Trainings beschrieben. Ferner sinkt der Blutdruck, die Raucherentwöhnung wird erleichtert, optimal hierfür ist Schwimmtraining.

Weitere positive Effekte werden für den Stütz- und Bewegungsapparat genannt. So gelten Laufen und Walking als effektivste Methoden zur Minderung des Osteoporoserisikos. Körperliche Aktivität ist wirksamer und preiswerter als medikamentöse Maßnahmen. Zu erwähnen bleibt, dass regelmäßige körperliche Aktivität bei Tumoren der Brust, des Dickdarms und der Prostata einen gesicherten präventiven Effekt hat.

Es ist nachgewiesen, daß körperliche Aktivität die Stimmungslage stabilisiert und damit eine wichtige Begleitmaßnahme zur Behandlung depressiver Symptome darstellt. Die ist wichtig, da gerade ältere Menschen häufig unter depressiven Syndromen leiden. Hier sollte eine Bewegungstherapie verstärkt eingesetzt werden. Körperliche Aktivität, Bewegung und Sport haben auch eine wichtige soziale Komponente, insbesondere im Alter. Die Teilnahme in Herzgruppen oder an Sportangeboten für Ältere führt zu einem sehr positiven Gruppenerleben. Hier bieten die Sportvereine ein vielfältiges Angebot.

Körperliche Aktivität verbessert die Lebensqualität. Dies ist oft wichtiger als die durch sie bewirkte Lebensverlängerung. Verbesserte Lebensqualität bedeutet mehr und längere Selbstständigkeit, bessere soziale Kontakte, aber auch seltenere Stürze und somit Verringerung des Risikos von Brüchen.

Beeinflussung von Krankheitshäufigkeit und Sterblichkeit

Zahlreiche Studien der letzten zwölf Jahre an mehr als 400 000 Personen mit einer Beobachtungszeit bis zu 25 Jahren haben eindeutig gezeigt, dass regelmäßiges Training zu einer verminderten Sterblichkeit an Herz- und Kreislauferkrankungen führt, einschließlich der Minderung des Schlaganfallrisikos. Die Risikominderung ist mit 25 bis 35 Prozent mindestens genauso hoch wie beim Einsatz von Medikamenten zur Senkung des Risikos, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden (Fettsenker, Beta-Blocker usw.).

Die Trainingswirkung ist „Dosis"-abhängig, das heißt, mit mäßigem Training ist die Wirkung moderat, mit intensivem Training deutlich stärker ausgeprägt. Bedeutsam sind hier Ergebnisse neuerer Studien, wonach auch schnelles Gehen (Walking) einen positiven präventiven Effekt hat. Studien an Rentnern auf Hawaii haben gezeigt, dass das kardiale Risiko umso stärker gesenkt werden kann, je mehr und je schneller man am Tag geht. Dies bedeutet, dass auch Ältere von einem moderaten Training eindeutig profitieren.

Betrachtet man die möglichen Risiken und Nebenwirkungen des körperlichen Trainings, so wiegen die positiven Aspekte mögliche negative Aspekte wie zum Beispiel ein erhöhtes Verletzungsrisiko deutlich auf. Risiken können durch eine  Vorsorgeuntersuchung deutlich gemindert werden, fachkompetente Sportärzte sind hierfür am besten geeignet.

Inzwischen liegen gesicherte Erkenntnisse darüber vor, dass regelmäßige körperliche Aktivität bei Herz- und Lungenkrankheiten und Asthma eine nachweisbare Wirkung haben. Für die Behandlung der Herzinsuffizienz ist dies eine Wende: 1980 wurde strenge Bettruhe empfohlen, seit 1995 aber regelmäßige Bewegung (!) als obligatorischer Therapiebestandteil.

In der Rehabilitation von Tumorkranken oder Diabetikern stellt körperliche Aktivität einen unverzichtbaren Bestandteil dar; Patienten mit Bluthochdruck profitieren ebenfalls von einem dosierten Training.

Vorsorgeuntersuchung

Vor Aufnahme von körperlicher Aktivität und Sport steht eine qualifizierte sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung. Sie umfasst nach dem Konzept der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention drei Stufen. Im Vordergrund stehen ein Fragebogen für den Sporttreibenden, ein standardisierter Anamnesebogen für die ärztliche Befragung sowie eine körperliche Untersuchung durch den Arzt, die sich auf einige wenige Untersuchungen wie EKG und Blutdruckmessung beschränkt. Gegebenenfalls kommen  Laboruntersuchungen und Belastungs-EKG hinzu. Informieren Sie sich näher hierzu: 10 goldene Regeln für gesundes Sporttreiben.

Generell gilt: Bei Personen, die über 35 Jahre alt sind und mehr als einen Risikofaktor aufweisen, sollte eine Belastungsuntersuchung obligatorisch sein.

Hilfreich ist auch der Fragebogen der Kanadischen Gesellschaft für Sportmedizin (Tabelle 1, oben). Bei positiver Beantwortung einer der Fragen ist eine Vorsorgeuntersuchung obligatorisch. Weitere Faktoren, die auf ein erhöhtes Risiko bei körperlicher Aktivität hinweisen, sind in Tabelle 2 (weiter unten) aufgelistet.

Empfehlungen für die Praxis

  • Die Belastungsdauer sollte bei optimalen Bedingungen mehr als 20 bis 30 Minuten an mindestens drei Tagen in der Woche betragen, womit ein Energieumsatz von mehr als 2 000 Kcal/Woche erreicht werden kann.
  • Bereits kleinere Übungs- oder Trainingseinheiten am Tag sind in der Summe präventiv wirksam. Es sollte daher die vermehrte Bewegung im täglichen Leben (zum Beispiel Treppensteigen) empfohlen werden. Ziel ist ein regelmäßiges Training in Abhängigkeit von Alter und Leistungsfähigkeit.
  • Der Trainingsbeginn muss mit einem gut geplanten Aufbauprogramm erfolgen.
  • Der Ausdaueranteil des zu empfehlenden Trainings sollte etwa 70 Prozent, das Training von Kraft und Beweglichkeit etwa 30 Prozent betragen.
  • Die Belastungsintensität sollte circa 50 bis 60 Prozent der maximalen Herzfrequenz oder der Sauerstoffaufnahme betragen und somit unterhalb der Ausdauer-Leistungsgrenze liegen.
  • Für ältere Menschen eignen sich insbesondere Walking Programme, die einen guten Einstieg in die sportliche Aktivität darstellen.
  • Beim Besuch von Fitness-Studios sollte auf eine Zertifizierung für gesundheitsorientierte Angebote geachtet werden.
  • Eine qualifizierte sportärztliche Vorsorgeuntersuchung ist sowohl vor dem Besuch von Fitness-Studios als auch vor dem Sport im Verein unbedingt anzuraten.
  • Grundsätzlich sind solche Angebote der Sportvereine zu empfehlen, die durch den Deutschen Sportbund und die Bundesärztekammer mit dem Qualitätssiegel „Sport pro Gesundheit" zertifiziert sind. Mit dem Qualitätssiegel „Sport pro Gesundheit" des Deutschen Sportbundes und der Bundesärztekammer zertifizierte Sport- und Bewegungsangebote lassen sich über das Internet nach Regionen und Indikationsgebieten geordnet unter www.sportprogesundheit.de.

Für Ärzte liegt eine gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention entwickelte Kurzinformation zur Prävention durch Bewegung vor, die über den Deutschen Sportbund - Referat Gesundheit - bezogen werden kann. Hinweise zur Beratung von Gesunden und Patienten bietet die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention e.V. unter www.dgsp.de.

Gesundheit umfasst das subjektive Wohlbefinden bei Freisein von Krankheiten. Gesundheit (und Fitness) beinhaltet die objektive Belastbarkeit, mit der ein Mensch in die Lage versetzt wird, im eigenen Leben und im sozialen Umfeld körperlich und seelisch den Anforderungen des täglichen Lebens angemessen nachkommen zu können.

Gesundheit und Fitness werden durch mehrere Faktoren bestimmt:

  • Anlage und Erbfaktoren,
  • Umwelt und Umfeld,
  • gesundheitsbewusste Lebensführung.

Erbfaktoren können vom Einzelnen nicht, Umweltbedingungen nur bedingt beeinflusst werden. Die gesundheitsbewusste Lebensführung hingegen kann gezielt und wirksam durch regelmäßige körperliche Aktivität, Übung und Training mitgestaltet werden. Weitere Informationen finden Sie auch unter www.sportprogesundheit.de.

(Nach Prof. Dr. med. Herbert Löllgen und andere, Remscheid) 

Bildquellen:
Bild 1: © Kzenon - Fotolia.com
Bild 2: Laufsport Heinz
Bild 3, 6: Jürgen Ruoff, Badische Zeitung
Bild 4: Fit for Life
Bild 5: sxc.hu

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