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Nicht vernachlässigen

„Welche Möglichkeiten gibt es, um sich vor einer Erkrankung der Schilddrüse zu schützen?" - Es antwortet Dr. med. Welf Dieterich:

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Quelle:  HausArzt-PatientenMagazin

 

Schilddrüse - Jodmangel - Kropf

Liebe Patientinnen und Patienten,

eine Schilddrüse, die vergrössert ist, wird als Kropf (=Struma) bezeichnet. Deutschland ist das einzige Industrieland, in dem der Jodmangelkropf noch eine Volkskrankheit darstellt. In der Altersgruppe der über 45-jährigen leidet sogar jeder Zweite unter einem (vielleicht noch versteckten) Kropf oder an Knoten in der Schilddrüse. Hinzu kommen Funktionsstörungen im Sinne von Unterfunktion und Überfunktion. Die Entwicklung von Schilddrüsenerkrankungen beginnt zu einem grossen Teil schon in den ersten 20 Lebensjahren auf dem Boden von Jodmangel.

Ein „Kröpfle" allein wäre ja nicht weiter störend - ausser vielleicht kosmetisch. Doch kann es in einem Jodmangelkropf zu wirklich schweren Erkrankungen kommen, insbesondere zu Knoten mit Überfunktionen. Auch kann der Kropf nach innen wachsen und auf die Luftröhre drücken. In solchen Fällen erforderliche Operationen sollten und können vermieden werden durch ausreichende Jodzufuhr insbesondere in der Kindheit. Operationen in diesem Gebiet bergen zusätzliche Gefahren durch Verletzung der Stimmbandnerven und durch Entfernung der wichtigen Nebenschilddrüsen.


Zur Vorbeugung gegen den Jodmangelkropf und seine Komplikationen sollte jeder Haushalt nur jodiertes Speisesalz verwenden. Dies ist unbedenklich. Doch leider ist die Verwendung von Jodsalz nicht ausreichend. Zu fordern wäre, dass in der gesamten Lebensmittelindustrie ausschliesslich jodiertes Speisesalz benutzt wird, wie z. B. in der Schweiz sowie in anderen europäischen Ländern und auch in den USA.
Solange entsprechende gesetzliche Regelungen in der Bundesrepublik Deutschland fehlen, ist eine generelle Vorbeugung mit Jodidtabletten mindestens für folgende Gruppen empfehlenswert:

  • Kinder und Jugendliche ab dem 6. Geburtstag bis zum Erwachsensein,
  • schwangere Frauen und stillende Mütter.

Allen Kindern sollten Jodidtabletten gegeben werden. Dies ist wissenschaftlich bewiesen. Die Fachärzte empfehlen es, die Krankenkassen unterstützen dies ebenso. Dann ginge die hohe Kropfhäufigkeit endlich zurück. Spätfolgen wie Knotenbildungen, Überfunktion oder Druck auf die Luftröhre würde wirkungsvoll vorgebeugt. Hohe Kosten durch Untersuchungen, Medikamente, Operationen und Radiojodtherapien sowie Komplikationen würden eingespart.

Für werdende und stillende Mütter sind die Jodidtabletten auch ganz besonders wichtig. Einerseits damit es bei ihnen selbst nicht zur Bildung von Knoten und Überfunktionen kommt und andererseits, damit die Neugeborenen nicht schon mit einem Kropf auf die Welt kommen bzw. damit Stillkinder keinen Kropf wegen Jodmangels entwickeln.

Eine bereits vergrösserte Schilddrüse und auch knotige Veränderungen sind nach aussen hin oft nicht sichtbar. Deshalb sollte bei jedem zur Früherkennung eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Leider ist diese immer noch nicht in einem Vorsorgeprogramm der Krankenkassen enthalten.
Mit speziellen Blutuntersuchungen kann die Funktion der Schilddrüse ebenfalls genau diagnostiziert werden: Normal-, Über-, Unterfunktion.

Ausser bei der Geburt sind Schilddrüsenuntersuchungen insbesondere zu fordern:

  • bei der Kinderuntersuchung vor Beginn der Grundschule,
  • zum Zeitpunkt der Pubertät, z. B. bei der Jugendgesundheitsuntersuchung, spätestens
  • aber bei der Untersuchung nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz für Berufsanfänger,
  • anlässlich der Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere,
  • beim Gesundheits-Check-up ab dem 35. Geburtstag.

UltraschalluntersuchungJährlich werden bei uns rund 100.000 Personen an der Schilddrüse operiert und weitere 60.000 mit Radiojodtherapie behandelt. Bei der Häufigkeit an Schilddrüsenerkrankungen gerade auch in unserer Gegend sollte sich deshalb jeder seine Schilddrüse mittels Ultraschall und Bluttest vorsorglich untersuchen lassen - bevor es zu Beschwerden kommt. Besonders wichtig ist dies bei all denen, insbesondere bei Kindern, in deren Familie jemand ein „Kröpfle" hat.

Ihre
Dres. med. Welf und Heike Dieterich
und Team

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