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Nicht „Anti‑Aging″, sondern: erfolgreiches Altern

Rund 26 Prozent der Deutschen sind über 60 Jahre alt. Die Lebenserwartung steigt, ältere Menschen sind in der Regel biologisch jünger als früher. Viele bleiben bis ins höhere Alter aktiv, sofern sie geistig und körperlich fit sind.

Wird der biologische Alterungsprozesses durch medizinische und pseudomedizinische Verfahren versucht aufzuhalten, wird dies gerne als „Anti-Aging" bezeichnet.  Dabei haben hier bisher alle Pillen und Hormone versagt: Diese können das Altern nicht aufhalten. Der Wunsch, statt sich zu bewegen, nur eine Pille zu schlucken, um gesund zu bleiben und alt zu werden, ist für viele ein Traum. Es ist verlockend, am Morgen eine Tablette für ein langes Leben zu schlucken, dafür aber seinen Lebensstil mit  Risikofaktoren wie Übergewicht, Nikotinkonsum, Fehlernährung und Inaktivität beizubehalten.

Nachweislich  trägt nur regelmäßige körperliche Aktivität dazu bei, den biologischen Alterungsprozeß zu verlangsamen. Nur der körperlich aktive ältere Mensch erhält langfristig seine Lebensqualität und  seine Selbstbestimmung. Aus diesem Grund ist es für ältere Menschen ratsam, sich möglichst täglich bewußt zu bewegen. Zu Bewegung  zählen alle alltäglichen körperlichen Aktivitäten: Treppensteigen, Erledigungen zu Fuß, den Hund ausführen oder Haus- und Gartenarbeit. Wichtig ist, dass diese Aktivitäten als Trainingsanreiz gesehen werden, nicht als mühsame Bewegung.

Altersangepasstes Training

Zusätzlich ist ein altersangepasstes Traingsprogramm sinnvoll. Schwimmen, Wandern, Kegeln, Gymnastik und der so genannte Seniorensport sind beispielsweise empfehlenswert. Diese Sportarten sollten mindestens drei- oder viermal in der Woche durchgeführt werden, um einen Trainingseffekt zu erzielen.

Körperliche Aktivität umfasst neben Ausdauertraining als Basis auch dosiertes Krafttraining, Gymnastik mit Beweglichkeitsübungen und Training der lokalen Muskelausdauer.

Entscheidend  ist, dass der ältere Mensch nur durch eigene Initiative dazu beitragen kann, seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Diese Übungs- und Trainingsempfehlungen gelten auch für Kranke. Es ist belegt, dass bei Herzinsuffizienz oder chronischer Atemwegserkrankung regelmäßiges Trainieren unter fachkundiger Anleitung zu einer deutlichen Verbesserung führt. Inaktivität verschlechtert bei diesen und anderen Krankheiten das Befinden und fördert weitere Begleitkrankheiten wie Thrombose.

Bei Herzinsuffizienz und chronischer Bronchitis zählt körperliches Training inzwischen zur Basistherapie. Hier mussten nicht nur Patienten, sondern auch Ärzte umlernen.  Inaktivität ist auch bei Stoffwechselerkrankungen oder degenerativen Gelenkerkrankungen meist kontraproduktiv und nimmt den Patienten sehr viel von ihrer Lebensqualität. Krankengymnastik und dosiertes Training sind mitunter wirksamer als viele Medikamente. Leider ist dies noch nicht Allgemeinwissen.

Nicht der ältere Leistungssportler ist der Adressat bei den Empfehlungen zu mehr Bewegung, körperlicher Aktivität und Sport, sondern der Mensch, der auch im höheren Alter noch in der Lage sein möchte, sich selbst zu versorgen und selbstständig zu leben. Sportorganisationen und Vereine haben hier die Aufgabe, älteren Menschen gesundheitsorientierte Sportangebote  anzubieten.

Das Leben kann mit körperlicher Aktivität verlängert werden. Noch wichtiger aber ist es, Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alter durch Übung, Training und Bewegung zu erhalten. Schon täglich ein Spaziergang zwischen 30 und 60 Minuten wäre bereits ausreichend. Wenn Sie nicht wissen, wie Sie anfangen sollen, dann können Sie auf die Empfehlung der Sportärzte „Bewegung und Sport: Anfangen ja, aber wie" zurückgreifen.

(Nach Prof. Dr. med. Herbert Löllgen, Remscheid)

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